Gasversorgung in DeutschlandFüllstand der Gasspeicher, Gaspreis und Verbrauch - täglich aktuell

Für den kommenden Winter droht ein Gas-Notstand in Deutschland, die Gaspreise haben sich bereits vervielfacht. Verfolgen Sie hier die wichtigsten Zahlen zur Gasversorgung - täglich aktuell.

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Jahrelang hat Deutschland seine Gasspeicher mit günstigem russischem Gas aufgefüllt. Noch im vergangenen Jahr stammte mehr als die Hälfte des hierzulande genutzten Erdgases (55 Prozent) aus Russland. Seit dem Krieg in der Ukraine will sich Deutschland von dieser Energieabhängigkeit lösen und sucht nach Alternativen. Zugleich hat Russland die Gaslieferungen bereits heftig gedrosselt. Für den kommenden Winter droht ein Gas-Notstand in Deutschland. Die Gasspeicher müssen bis dahin aufgefüllt sein.

Füllen sich die Gasspeicher schnell genug?

  • 2022
  • Ø 2017-2021
  • Höchst/Tief 2017-2021

Gasreserve von 95 Prozent als Ziel

Ihren tiefsten Füllstand hatten sie am 10. März mit 24 Prozent erreicht, deutlich unter dem Fünfjahresmittel an diesem Tag (43 Prozent). Die Grafik zeigt die Tagesfüllstände seit Jahresbeginn (grüne Linie) im Vergleich zu den fünf Jahren (2017 bis 2021) zuvor – innerhalb der Spanne des Höchstwerts und des Tiefswerts (grauer Bereich) sowie dem Fünfjahres-Durchschnitt für den jeweiligen Tag (lila Linie).

Ohne ausreichende Gasreserven droht ganzen Industriezweigen der Produktionsstopp, und die Menschen könnten im kommenden Winter zu Hause frieren. Der Bundestag hat deshalb Ende März das Gasspeichergesetz erlassen – erstmals mit verbindlichen Mindestfüllständen. Diese Vorgaben wurden dann noch einmal verschärft: Das erste Zwischenziel von 75 Prozent bis zum 1. September wurde vorzeitig erreicht. Zum 1. Oktober sind 85 Prozent vorgeschrieben, und zum 1. November muss der Füllstand mindestens 95 Prozent betragen.

Wo Gasspeicher in Deutschland stehen

Die Karte zeigt verschiedene Gasspeicher in Deutschland nach Kapazität und Füllstand. Der Gasinfrastrukturverband GIE sammelt Daten für den größten Teil der verfügbaren Speicher Deutschland und Europa: Die Standorte auf der Karte repräsentieren mehr als 90 Prozent der Speicherkapazität in Deutschland. Auffällig geringe Füllstände sind auf der Karte Rot dargestellt.

Mehrere Speicher einer Firma am selben Standort werden als ein Punkt dargestellt.

Fast leer war monatelang ausgerechnet der größte Speicher in Deutschland: Auf den Gasspeicher im niedersächsischen Rheden entfällt rund ein Fünftel der deutschen Kapazität, doch sein Füllstand sackte im Frühjahr zeitweise unter ein Prozent. Der Speicher wird von der Firma Astora betrieben – einem Tochterunternehmen von Gazprom Germania. Mittlerweile hat die Bundesnetzagentur die Kontrolle übernommen und lässt den Speicher über Drittfirmen befüllen.

Wie viel Gas noch aus Russland kommt

Durchflussmengen der Pipeline Nordstream 1 bei Greifswald laut Datenplattform des Verbands Europäischer Fernleitungsnetzbetreiber ENTSO-G (zuletzt aktualisiert: 21.09.2022)
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Russland liefert vorerst gar kein Erdgas mehr durch Nord Stream 1 nach Deutschland. Die Ostsee-Pipeline war zum Monatsende August abgeschaltet worden - nach Angaben des russischen Staatskonzerns Gazprom für Wartungsarbeiten. Am 3. September sollte eigentlich die gleiche Menge Gas wie zuvor durch Nord Stream 1 gepumpt werden. Doch Gazprom hat Wiederaufnahme der Gaslieferungen ausgesetzt. Begründet wurde dies mit einem Gasleck in der Kompressorstation Portowaja, wo das Gas eingespeist wird.

Die wichtigste Route für russisches Erdgas nach Deutschaldn war bereits vom 11. bis 21. Juli für Wartungsarbeiten unterbrochen. Die Wartung von Nordstream 1 Mitte Juli ist eigentlich jährliche Routine. Diesmal gab es Befürchtungen, dass Russland den Gashahn nicht wieder aufdreht. So heftig war es vorerst nicht gekommen. Aber im August floss durch die Pipeline in Lubmin bei Greifswald nur noch ein Fünftel der Kapazität.

Wie die Gaspreise steigen

Neukundenpreis pro Kilowattstunde gestern im Vergleich zum Preis vor genau einem Jahr laut Preisvergleichsportal Verivox (zuletzt aktualisiert: 21.09.2022)
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Die Preise für Erdgas klettern angesichts des drohenden Mangels in immer neue Höhen. Die Grafik verdeutlicht diese Entwicklung anhand der täglichen Gaspreise für Neukunden. Und diese sind bereits im vergangenen Herbst sprunghaft gestiegen, aufgrund weltweit gestiegener Nachfrage an den Gasbörsen nach der Coronaflaute und wegen historischer Niedrigstände der Gasspeicher. Nach kurzer Beruhigung zu Jahresbeginn steigen die Preise seit der Invasion Russlands in Ukraine.

Ein Ende ist der Preissteigerungen ist nicht abzusehen. Gaslieferanten müssen hohe Einkaufspreise zahlen und geben diese zunehmend an die Haushalte weiter. Nicht nur Neukunden, sondern auch Bestandskunden, müssen sich nun in jedem Fall auf hohe Nachzahlungen einstellen. Alle Gasverbraucher sollen eine Gasumlage von 2,4 Cent netto pro Kilowattstunde zahlen, um Großlieferanten vor der Pleite zu retten und so die Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Im Gegenzug soll der Umsatzsteuersatz für Gas auf 7 Prozent gesenkt werden.

Wie viel Gas nun verbraucht wird

Der monatliche Gasverbrauch in Deutschland im Vergleich zum Vorjahr, abgeschlossene Monate laut Bundesnetzagentur (zuletzt aktualisiert: 21.09.2022)
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Deutschland drosselt den Gasverbrauch in der Krise. Das liegt an den Gaspreisen und an den Temperaturen. Bislang ist es in diesem Jahr wärmer als 2021, insbesondere in den heizintensiven Monaten Januar und Februar. Für gewöhnlich wird zu dieser Zeit etwa dreimal so viel verbraucht wie in den Sommermonaten.

Aber es wurde auch unabhängig von den Temperaturen Erdgas eingespart. So ist der Gasverbrauch im Mai und Juni im Vergleich zu den Vorjahresmonaten besonders stark zurückgegangen, um jeweils rund ein Viertel. Laut Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) hat vor allem die Industrie zum gesunkenen Verbrauch beigetragen. Wesentlicher Grund: die Gaspreise.

Wofür Erdgas in Deutschland gebraucht wird

Gasengpässe würden in Deutschland die Industrie und Haushalte besonders hart treffen: Zwei Drittel des gesamten Gases in Deutschland wurden im Jahr 2021 zum Heizen von Wohnungen oder für die Produktion genutzt. Vor allem Chemiebetriebe sind auf den Energieträger angewiesen.

Falls im Herbst Gas-Mangel herrscht, entscheidet die Bundesnetzagentur, wer wie viel Gas bekommt. Dann greift eine europäische Verordnung über für diesen Fall besonders schützenswerte Gruppen: Das seien laut Bundesnetzagentur private Haushalte, Krankhäuser, Pflegeheime, Polizeistationen und Kasernen.



Quellen: Gas Infrastructure Europe (AGSI), Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (bdew).
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